Donnerstag, 15. Januar 2015

Das neue ElterngeldPlus. Wem es nützt und vor allem, wem nicht.

Die sogenannten "Working Moms" sind seit geraumer Zeit das Zentrum vieler emotionaler und politischer Debatten. Wer bleibt ganz, wer wie lange oder wer überhaupt nach der Geburt eines Kindes bei den Kindern zu Hause?

Bild via Scary Mommy. Sehr lustige Seite!
Wie so oft habe ich meinen Arbeitsplatz aufgrund akuter Arbeitsüberlastung auf unseren Wohnzimmertisch verlagert. Mein Sohn spielt mit seinem Freund "Pony und Schweinchen". Sie fressen 1kg Popcorn aus ihrem Trog, dem Waschbecken. Meine Tochter zerreißt derweil alle ihre Pixi Bücher. 
Ein normaler Nachmittag.
Es klingelt natürlich an der Tür, sobald ich den Computer hochgefahren habe. Unser Nachbar bietet freimütig an, eine Monstertanne in unserem Vorgarten um ein paar Meter zu kürzen, damit ich durch das Wohnzimmer auch mal die Sonne sehen kann. So ein netter Mann! Ich treffe die erste fatale Entscheidung des Tages und verlasse mein "Office" um geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen für Baumfällungen zu entwickeln.


Gravierende Entwicklungsschübe wie "umdrehen" (und vom Wickeltisch fallen) oder "krabbeln" (damit jetzt keiner mehr alleine auf's Klo kann) treten immer dann auf, wenn man nicht damit rechnet und man sie absolut nicht gebrauchen kann. Beim Kinderarzt verschwinden sie dann genauso plötzlich wieder, wie sie einst gekommen sind. Dieses Mal entwickelte meine Tochter sogar drei Super-Talente auf einmal: Stifte halten, auf Stühle klettern und Zwei-Wort-Sätze sprechen. 
Bruce Darnell hätte sicherlich vor Begeisterung geheult.

Während ich mit Bauhelm im Vorgarten ein Seil festhalte, an dessen Ende mein Nachbar mit einer Kettensäge hängt, kann ich durch das Wohnzimmerfenster beobachten, wie meine einjährige, kurzbeinige Tochter einen Stuhl erklimmt, einen roten Edding zur Hand nimmt und eine Bankbürkschaft, einen notariellen Kaufvertrag und eine Wirtschaftsrecht-Klausur eines Studenten damit - nunja - unterzeichnet. 
Sie schreit mich dabei durch das Fenster begeistert an: "MILMAMALT!!!".

Scheiße.



Ich stehe vor der zweiten fatalen Entscheidung des Tages: Das Seil loslassen und den Nachbarn opfern oder tapfer weiter festhalten und damit meinen Ruf als gewissenhafte, alles voll im Griff habende "Working-ist-ja-absolut-kein-Problem-Mom" in die Tonne kloppen.

Ich habe mich wie folgt entschieden:

Nachdem ich eine brodelnde Rohrreiniger-Popcorn-Masse weggepümpelt und meiner Tochter das rote Permanent-Make-Up aus dem Gesicht gefeilt hatte, suchte ich abendlichen Zuspruch bei meinen Freundinnen. Früher brach ich nach solch' missglückten Tagen laut nach Alkohol rufend auf deren Couch zusammen. Heute schicke ich ihnen eine WhatsApp. Unangemessen undramatisch und viel zu leise, aber es spart Zeit. 

Das scheint die Quintessenz im Leben mit Beruf und Kind zu sein: Zeit sparen, wo immer es geht, damit Kinder und Einkommen möglich sind.

Halten wir also fest:
1. Kinder und Beruf sind inkompatibel.
2. Wenn beide Eltern berufstätig sind, muss jemand anderes auf die Kinder aufpassen.
3. Wenn man mit der Berufstätigkeit kein Geld verdient, kann man es auch gleich bleiben lassen und mit den Kindern Popcorn aus dem Waschbecken essen. Das macht im Zweifel mehr Spaß.


Warum arbeiten dann immer mehr Mütter, obwohl sie sehr kleine Kinder haben? 
Manche, weil sie es wollen, manche weil sie es schlicht müssen. Bei den meisten liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Der Druck ist immens.
Die Zeiten, in denen ein Gehalt für den Lebensunterhalt ausreichte, scheinen tatsächlich vorbei zu sein. Ein Alleinverdiener ernährt heute keine 4-köpfige Familie in der Doppelhaushälfte mehr. 

Zudem bekommen Mütter nur dann eine halbwegs nennenswerte Rente, wenn sie neben der jahrzehntelangen Kindererziehung, den damit verbundenen hohen Zusatzkosten und zusätzlichen Verpflichtungen auch noch zusätzlich sozialversicherungspflichtig arbeiten. Sonst gehen sie im Alter fast leer aus. 
Im Gegensatz zu ihren kinderlosen Kollegen und Kolleginnen, haben Eltern einen oder mehrere spätere Rentenversicherungszahler selbst großgezogen und die immensen, finanziellen Belastungen einer Familie schultern müssen. Geld, das kinderlose und problemlos vollzeitbeschäftigte Kollegen anders verwenden und es in die private Altersvorsorge stecken können. Oder in die Bambusbar in Barbados. Je nach Prioritätenliste. 
Zudem haben Mütter bzw. Eltern kinderbedingt deutlich weniger zeitliche Kapazitäten für eine Berufstätigkeit zur Verfügung. Die logische Konsequenz bleibt aber aus: Die Rentenansprüche werden für Menschen mit Kindern nicht aus- oder angeglichen, obwohl nur sie überhaupt die Arbeitskräfte großgezogen haben, die unser aller Renten eines Tages bezahlen sollen. Der Generationenvertrag hinkt hier massiv, wie ich finde.

Bei all der Betreuungsdiskussion weigert sich die Politik, eine weitere, logische Konsequenz zu ziehen und die teilweise heftigen Kosten der Kinderbetreuung für berufstätige Eltern flächendeckend abzuschaffen, damit sich der frühe Wiedereinstieg in den Beruf finanziell überhaupt lohnt. Tausende Mütter arbeiten für die Betreuungsgebühren der KiTa und ein paar knickerige Rentenpunkte in Teilzeit. Wenn die Kinderbetreuung so teuer ist, dass meine Nachbarin und Sozialpädagogin in Teilzeit umsonst arbeitet, um die KiTa ihrer beiden Kinder während ihrer Arbeitszeit überhaupt finanzieren zu können, dann haben wir - je nach Kommune- noch immer ein Problem, das junge Frauen massiv benachteiligt.

Ja, aber was hat das Familienministerium denn nun getan? Wir können uns vor Spannung kaum auf den Sitzen halten.
Frau Schwesig hat das ElterngeldPlus erfunden! 
Juhu.
Applaus!
APPLAUS! www.gythaswelt.de
Damit hat sie sich zwar frenetisch auf zwölf kleine Monate im Leben junger Eltern gestürzt, die die meisten eigentlich Dank des bisherigen Elterngeldes finanziell und emotional im Griff hatten. Aber es ist zumindest ein Anfang. Die übrigen 276 Monate, in denen so ein Kind erst anfängt die Familienkasse merklich zu belasten (siehe "Eltern haften für ihre Kinder"), ignoriert die Politik beständig. Da kann unsere Familienministerin gar nicht soviel dafür, hierfür bräuchte es vereintere Kräfte und das politische Bewusstsein, dass sie derzeit die Wiege des Generationenvertrags torpedieren.

Ich nehme aber nun die Ironie und das Gemotze raus und die Gelegenheit wahr, kurz die kommenden Regelungen zum ElterngeldPlus zu erläutern. 

Das Elterngeld PLUS ab dem 01.07.2015

Für Eltern, deren Kinder ab dem 01.07.2015 geboren werden, gibt es dann drei Möglichkeiten Elterngeld zu beziehen:

a) Das Basiselterngeld ( 12 Monate das volle Elterngeld bei vollem Berufsausstieg)
b) ElterngeldPlus ohne Zuverdienst ( schlicht und einfach 24 Monate das hälftige Elterngeld)
c) ElterngeldPlus mit Zuverdienst (für jeden Monat Teilzeittätigkeit mit hälftigem Eltergeld kommt ein halber Elterngeldmonat dazu)

Alle drei kann man kombinieren und/oder abwechseln.

Ausgangsfall: Anna verdient als Ballettlehrerin 1400 € netto monatlich im Schnitt in den letzten 12 Monaten vor Bens Geburt. In Teilzeit würde sie 550 € verdienen.
Fakt 1: Das "alte" Elterngeld ist nicht abgeschafft.
Es heißt jetzt nur anders, nämlich "Basiselterngeld". Nach wie vor kann man also 12 Monate voll aus dem Beruf aussteigen und 65% des bereinigten Nettoeinkommens, mindestens € 300, maximal € 1800, als sogenanntes "Basiselterngeld"erhalten.
Wenn Anna also erst nach dem 1. Geburtstag von Ben wieder als Ballettlehrerin anfängt, hat sie  ein Basiselterngeld von (65% von 1400 €) 910 € pro Monat bekommen. 
Anna bekommt also insgesamt 10.920 € für 12 Monate "Basiselterngeld" bei voller Unterbrechung.

Fakt 2: ElterngeldPlus ist für diejenigen relevant, die vor dem ersten Geburtstag des Kindes wieder arbeiten wollen oder müssen.

Alle spucken in die Hände und machen die Hirnlampen an. Hefte raus und Bleistifte gespitzt. Wir rechnen jetzt.

Wenn Anna sich entscheidet, die ersten 12 Lebensmonate ihres nach dem 01.07.2015 geborenen Sohnes Ben nicht komplett auszusteigen, sondern ab seinem vollendeten 6. Lebensmonat  in Teilzeit wieder als Ballettlehrerin zu arbeiten (maximal erlaubt sind 30 Wochenstunden) dann beantragt sie ab dem 6. Monat neuerdings "Elterngeld Plus". 

Für die ersten 6 Lebensmonate bekommt sie die normalen € 910 Basiselterngeld ( 6 x € 910 = € 5.460). 
Für die Lebensmonate 6.-12. bekommt sie dann aber nur maximal (!) die Hälfte des Basiselterngeldes ausgezahlt. Das sind also 6 x € 455 = € 2.730
Die andere Hälfte fällt aber nicht weg, sondern die bekommt sie in den Lebensmonaten 13.-18. hinterhergezahlt (nochmal 6 x € 455 = € 2730). 
Daher vermutlich der Begriff "ElterngeldPlus". Anna erhält in Summe wieder insgesamt 
5.460 + 2.730 + 2.730 = € 10.920 Elterngeld/ElterngeldPlus
Nur eben in einem Zeitraum von 18 Monaten statt in 12 Monaten.

Das ist das Beispiel des Familienministeriums.

  "Ja, Herrschaftszeiten, wo um Himmels Willen ist da jetzt der Vorteil?" fragen sich all diejenigen, die, wie ich, furchtbar stolz sind, dass sie so weit korrekt mitrechnen konnten.

Ja, Mädels, den versteht man nur, wenn man vergleicht, wie Nebeneinkommen vor dem 01.07.2015 behandelt wurde, (nämlich schlechter) und wie sich die Halbierung des Elterngeldes und Verdopplung der Bezugsdauer auswirken (etwas weniger schlecht).

Vor dem 01.07.2015 hätte sich eine Teilzeittätigkeit in Bens Lebensmonaten 6-12. so berechnet:
Statt € 1.400 in Vollzeit verdient Anna nun nur € 550 in Teilzeit, also eine monatliche Einkommenseinbuße von 850 €. Das nennt sich Differenzmethode.
Aus dieser Differenz von 850 € berechnet sich nachwievor das Elterngeld, 65% von 850 = 550 €.
Sie bekam also im teilzeitbeschäftigten 6.-12. Lebensmonat nicht mehr 6 x 910 € ausbezahlt sondern weniger, nämlich 6 x € 550 = € 3.315. 
Zusammen mit den 6 x 910 € aus den daheimgebliebenden 1.-6. Lebensmonaten sind das 
5.460 + 3.315 = € 8.875 Elterngeld nach alter Rechtslage in 12 Monaten.

Ab dem 01.07.2015 kann Anna aber nun für die Lebensmonate im ersten Lebensjahr des Kindes, in denen sie dazuverdienen will, "ElterngeldPlus" wählen, also das eingangs durchgerechnete Beispiel nutzen. Wie oben dargelegt, hat sie nach der Differenzmethode eigentlich einen Anspruch auf 550 € für 6 Monate. ElterngeldPLus gibt ihr aber maximal die Hälfte der Basismonate, also 910 € geteilt durch 2 = 455 €. Diese bekommt sie jetzt aber doppelt so lange, nicht nur 6, sondern 12 Monate. Daraus errechnet sich der finanzielle Vorteil im Ausangsbeispiel.
ElterngeldPlus bei Anna: 6 x 910 € aus den daheimgebliebenen 1.-6. Lebensmonaten und nochmal 12 x 455 € in den Lebensmonaten 6. - 18.:
5460 + 2730 + 2730 = 10.920 € Elterngeld (6 Monate) und Elterngeld Plus ( 12 Monate).
Knapp 2000 € weniger Abzug vom Elterngeld also, aber eben nicht 2000 € "mehr" in Summe der staatlichen Leistung. Die staatliche Leistung "Elterngeld" finanzieren die Eltern übrigens ebenfalls mit und zwar gewaltig. Elterngeld ist aufgrund der Struktur unseres Sozialsystems eben kein Geschenk.

Das mathematische Grauen hat noch kein Ende, also schaltet noch nicht ab.

Es spielt auch beim ElterngeldPlus nämlich durchaus eine Rolle, wieviel man dazuverdient. Man bekommt maximal die Hälfte des Elterngeldes für den verlängerten Zeitraum, das heißt, es kann auch Konstellationen geben, in denen sich dieser Satz reduziert. 
Würde Anna im Ausgangsbeispiel nicht nur 550 € in Teilzeit dazuverdienen sondern 900 €, dann hätte sie eine Vermögenseinbuße, verglichen mit der Zeit vor der Geburt von 1400€ - 900€ = 500 € pro Monat, die sie jetzt weniger in der Tasche hat. Aus diesen 500 € wird nach der Differenzmethode wieder das Elterngeld berechnet: 65 % von 500 € = 325 €. 
Maximal würde sie die Hälfte ihres Basiselterngeldsatzes bekommen (455 €), aufgestockt wird aber nicht. Sie bekommt also 325 € ElterngeldPlus.
Sie würde also bei einem Zuverdienst von 900 € bekommen:
6 x 910 € = 5460 €
6 x 325 € = 1950 €
6 x 325 € = 1950 €
insg. also 9360 € in 18 Monaten. 
Trotzdem bleibt es ein Vorteil gegenüber der alten Rechtslage, denn da hätte sie nur (die aufmerksame Rechenkünstlerin jubiliert), 6 x 910 plus 6 x 325 = 7410 € bekommen.

Fakt 3: Man bekommt in Summe NICHT mehr Elterngeld als beim Basiselterngeld, man hat nun nur weniger faktische Abzüge vom Elterngeld als vorher, wenn man in dieser Zeit etwas dazuverdient hat. 

Der Staat zahlt in Summe zunächst also nicht mehr Eltergeld an die Eltern aus, die ElterngeldPlus wählen. Sie bekommen maximal den gleichen Gesamtbetrag wie diejenigen, die sich für das Basiselterngeld entscheiden.  Außer beide arbeiten gleichzeitig trotz Mini-Baby 25h in Teilzeit für mindestens 4 Monate, dann kommt ein klein wenig mehr Elterngeld dabei rum (siehe weiter unten)
Vor dem 01.07.2015 wirkte sich ein Zuverdienst negativ auf das Elterngeld aus, so dass unsere Anna vor dem 01.07.2015 "nur" 8.875 € Eltergeld bekommen hätte. Weniger Elterngeld als jemand, der die vollen 12 Monate ausgestiegen war. Das hat das Ministerium nun korrigiert und hofft so, mehr Mütter sogar noch vor dem ersten Geburtstag wieder in Lohn und Brot zu bekommen.

Für Väter kann das neue EGPlus dann sinnvoll sein, wenn sie nicht 2 Monate voll aussteigen können, eine Teilzeitbeschäftigung aber für ein paar Monate möglich wäre. Auch der Vater kann EGPlus beantragen, selbst wenn die Mutter das "alte" Modell wählt und 12 Monate voll aussteigt oder, wie weiter unten erklärt, gleichzeitig in Teilzeit arbeitet. Hier sehe ich eine echte Verbesserung zu vorher. Jetzt müssen nur noch die Arbeitgeber endlich mal mitmachen und Teilzeit ohne Nachteile ermöglichen. Da sehe ich aus meiner Praxis wiederum tiefschwarz.

Alleinerziehenden soll das EltergeldPlus übrigens auch besonders "helfen". Nun ja...Es wird ihnen schlicht weniger Elterngeld abgezogen als vorher, wenn sie noch früher in die Doppelbelastung von Arbeit und Kindern zurückkehren. 


Fakt 4: Die so attraktiv klingende Parole "ElterngeldPlus gibt es von nun an sogar 28 Monate" ist der ein Ausnahmefall.
28 Monate EltergeldPlus erhält nur die Mutter, die am Tag nach der Geburt ihre Berufstätigkeit mit maximal 30 Wochenstunden weiterführt und das 24 Monate beständig durchhält. Wer das schafft, bekommt zwar, wie oben erklärt, in Summe keinen Cent mehr Elterngeld als die "Basiselterngeldbezieher" und zahlt im Zweifel auch die gesetzliche Krankenversicherung selbst. Jedoch hätte diese Mutter ohne ElterngeldPlus früher deutlich weniger Elterngeld als ein Basiselterngeldbezieher bekommen.
Das dürften also meistens selbstständige Mütter sein, die in den 8 Wochen nach der Geburt keinerlei Mutterschaftsgeld vom Arbeitgeber und der Krankenkasse bekommen und quasi im Kreißsaal nach der letzten Presswehe schon wieder einen Kunden an der Strippe haben. 

"Ok, das sind 24 Monate. 12 x 2 = 24. Hab' ich kapiert. Aber wo kommen jetzt die fehlenden 4 Monate für die versprochenen 28 Monate ElterngeldPlus ür die Mutter her?

Das sind Partnermonate. Wenn nun der Vater des Kindes während der frühen Elternteilzeit der Mutter auch mindestens 4 Monate seine Vollzeitstelle auf 25-30 Wochenstunden runterfährt (aber nicht komplett aussteigt!), dann bekommt nicht nur er, sondern auch die Mutter 4 Monate halbes Elterngeld obendrauf. Also 24 + 4 = 28 halbe Monate. Und der Vater auch 4 halbe Monate. Achtung, auch die Mutter muss um diese 4 halben Monate zu bekommen zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten, weniger zählt nicht. Das ist also der einzige Fall, in dem es für die Mutter faktisch mehr Elterngeld gibt. Die Mutter bekommt also 28 (halbe) Monate und der Vater 4 (halbe) Monate ElterngeldPlus. 
Alleinerziehende bekommen diese Monate extra ebenfalls, jedenfalls nach meinem derzeitigen Kenntnisstand. 

"Vatermonate"
Man verzeihe mir, wenn ich beständig vom "Vater" oder "Vatermonaten" spreche. Ich tue dies, weil diese Verteilung noch immer vorherrschend ist und das vermutlich bis zum Ende aller Tage auch sein wird. 
6% aller berufstätigen Männer arbeiten in Teilzeit.  Demgegenüber stehen 70 % aller berufstätigen Frauen in Teilzeitbeschäftigungen, wovon 81 % angeben, dies wegen der Kinder zu tun. Ich lass' das mal kurz sacken, ja? Gut.
Vielleicht ändert sich das ja jetzt mit dem ElterngeldPlus.


Fakt 6: Kinder und Arbeit passen nicht zusammen.
Wie eingangs dargelegt, funktionieren Arbeit und Kinder nur, wenn jemand Anderes auf das Kind aufpasst. 
Das gilt nicht nur für Kinder unter einem Jahr, sondern genauso und gerade auch für ältere Kinder. 

Wer also ElterngeldPlus nutzen möchte um (noch früher wieder) zu arbeiten, muss sein Kind notwendigerweise betreuen lassen.  Hat man aber einen Krippenplatz ergattert, so muss jemand wie unsere Ballettlehrerin ihre ElterngeldPlus doch noch nach unten korrigieren. Sie muss nämlich den Krippenplatz bezahlen. 

Ein Großteil des neben der Kindererziehung in Teilzeit erwirtschafteten Geldes geht also für die Betreuung in dieser Zeit drauf, die man ja gar nicht bräuchte, würde man nicht Geld erwirtschaften müssen und hierfür eine Betreuung benötigen...
diesen Satz kann man nun unendlich  oft  lesen und er offenbart ein Rechenbeispiel, dass viele Frauen mit durchschnittlichem Teilzeitgehalt aufmachen müssen.


Ob diese notwendigen Rechnungen nicht ein faktischer Hinderungsgrund für Frauen mit kleinen Kindern sind, wieder in den Beruf einzusteigen, überlasse ich Euren Wertungen. 
Ich sehe das tatsächlich kritisch und biete Euch hier gerne ein Forum, um sachlich zu diskutieren. Ich freue mich auch über Mitteilungen, wie die Betreuungskosten bei Euch in der Gemeinde so zu Buche schlagen.

Fazit:

...klick...Ich hoffe, ich habe eine Basis der Interpretation für all diejenigen geschaffen, die nicht wissen, was da kommt und die verunsichert sind, ob sie sich richtig entscheiden, wenn sie ElterngeldPlus beantragen. 

Ich gehe jetzt Tesafilm suchen, ich muss Pixi-Bücher puzzlen und kleben, während die Sonne durch mein Wohnzimmerfenster scheint.

Es grüßt Euch herzlich,
Eure Juramama 

Stefanie von Braunis Shop näht und bestickt wunderbare Kindersachen. Ihre Kinder sind damit auch nicht kompatibel. Klickt auf das Foto und ihr kommt zum Video. Was hab' ich gelacht!

Braunis Shop und inkompatible Kinder...


**** Ihr findet mich auch auf Facebook unter Juramama und auf Twitter unter Die_Juramama.****

**** Meine Artikel stellen keine Rechtsberatung dar und enthalten zum Teil sowohl sarkastische als auch ironische Bemerkungen. Bitte holt immer anwaltlichen Rat ein und verlasst euch nicht auf ein Blog das Juramama heißt. Ich werde hier journalistisch und nicht juristisch oder rechtsberatend tätig. Leider kann ich auch keine Rechtsberatungen über diesen Blog durchführen, habe aber hierfür eine eigene Sprechstunde****








Kommentare:

  1. Danke für deine ausführliche Erläuterung! Ich bekomme zwar Elterngeld nach dem "alten" Modell, aber interessant zu wissen, was da wieder gewurschtelt wird.
    Demnächst steht für mich auch Elternteilzeit an und das heißt dann konkret: anarbeiten gegen die Kosten für 2 Betreuungsplätze, Auto, etc. und dankbar sein, wenn dann noch ein nennenswerter Betrag übrig bleibt... Sinn der Sache kann das alles nicht sein...
    lg Sternie

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  2. Du sprichst mir in so vielen Punkten aus der Seele und ich könnte manchmal schreien, ob der Familienpolitik.

    Sobald ich arbeite, produziere ich vorm Zug mindestens1300 Euro Kosten (Kinderbetreuung, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Opportunitätskosten des fehlenden Betreuungsgeldes) Ich arbeite und finde mich selbst bekloppt. Denn nicht immer hole ich als Selbständige all diese Kosten wieder rein. Da fällt die Tagesmutter aus, ein Kind ist krank und ich kann nicht arbeiten, kein Geld kommt rein, die Kosten bleiben.

    Schön dumm von mir.

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  3. Danke für diese sehr humorvolle Erläuterung! Ich habe mich auch schon gefragt: Schön und gut, dieses Elterngeld Plus, aber wer betreut in der Zeit unser Kind, wenn wir beide wieder (und wenn auch Teilzeit) arbeiten gehen, ehe das Kind 1 Jahr alt ist. Der Anreiz, früher wieder zu arbeiten, wäre größer, wenn unterm Stricht auch MEHR GELD rauskäme. So frage ich mich aber, warum ich mein gerade mal einige Monate altes Baby weggeben soll, nur damit ich arbeiten gehen kann um am Ende genauso viel Geld rauszukriegen wie wenn ich (oder mein Mann) ein ganzes Jahr für das Baby zuhause bleiben.

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  4. Ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank!
    Noch eine Idee zum Thema "Teilzeitgehalt geht für die Betreuung drauf":
    wir bezahlen die (tatsächlich rel. hohen) Betreuungskosten unserer Kinder vom KINDERgeld. Das bekommt man als Eltern ja auch noch. Wurde hier gar nicht berücksichtigt. Das hilft zumindest ein wenig, dass vom Teilzeitjob auch noch etwas übrig bleibt.
    Natürlich kosten die kids dann trotzdem - sie müssen ja auch noch was futtern, anziehen usw... aber wir haben's noch nie geschafft, das komplette Kindergeld jeden Monat tatsächlich NUR für Kinderkosten auszugeben (wenn man die Betreuung außer Acht ließe).
    Ich kenne auch keine Familie, die das Kindergeld in Summe z.B. sofort anspart für die Kinder. Das fließt meistens in die Haushalts"einnahmen" mit ein und wird dann mit ausgegeben.
    Kostenlose Betreuungsplätze wären allerdings wirklich klasse!

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    1. Hallo,

      ich hoffe ich darf hier antworten!? Kindergeld ist mitnichten eine gute Tat oder gar ein Geschenk des Staates, es ist einfach eine Form der "vorzeitigen Steuerrückzahlung", weil das Existenzminimum steuerfrei sein muss. Wer schon mal eine Steuererklärung selbst gemacht hat, wird über den Begriff Günstigerprüfung gestolpert sein. Je mehr man verdient, desto geringer ist der "geschenkte" Anteil am Kindergeld. Man würde halt einfach mehr Steuerrückzahlung bekommen. Und wenn man von den 184€ die Betreuungskosten bezahlen kann, dann sind die mitnichten hoch. Das sage ich, die 450€ pro Kind zahlen müsste. Da ich drei habe, lasse ich das lieber vorerst bleiben...

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  5. Vielen Dank für Deine wundervoll amüsanten und informativen Posts. Ich bin sehr begeistert von Deinem Blog.
    Das neue ElterngeldPlus ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber, wie Du schon sagtest, viel zu wenig, um die Probleme zu lösen.
    Über die Ungerechtigkeit mit den Betreuungskosten könnte ich mich jeden Tag aufregen. Im Moment zahlen wir für die Krippe unserer Tochter 450 € im Monat, ab Herbst werden es für zwei Kinder in Krippe bzw. Kindergarten über 800 Euro sein. Wenn ich Kosten und Verdienst gegenüberstelle sieht es sehr traurig aus.
    800 € + 250 € Fahrtkosten (wenn ich die realistischen Kilometerkosten laut ADAC ansetze) + 100 € sonstige Arbeitsausgaben (schicke Hose statt Gammeljeans, Kantine statt selber kochen) = 1150 €. Würde ich zu Hause bleiben, würde ich mir 1150€ im Monat sparen und (für Kind 2) sogar noch 150€ Betreuungsgeld bekommen.
    Ich muss also 1300 Euro Netto verdienen, um nicht draufzuzahlen, wenn ich arbeiten gehe. 1300 Euro Netto für eine halbe Stelle ist deutlich mehr als das durchschnittliche Einkommen (einer Frau), ja, es ist sogar mehr als viele Frauen mit einer Vollzeitstelle verdienen.
    Soll ich einen Beruf, den ich liebe, sechs Jahre lang aufgeben, bis Kind 2 auch in den Kindergarten geht? Sechs Jahre Auszeit bedeuten in meinem Bereich, den Anschluss im Beruf zu verlieren und vielleicht nie wieder reinzukommen.
    Sollte eine Frau nicht mit einem Gehalt belohnt werden, wenn sie sich berufliche Chancen erhält, sich die Doppelbelastung mit kleinen Kindern und Beruf zumutet und außerdem Steuern und Sozialabgaben zahlt? Stattdessen werden viele Frauen über Betreuungskosten, Herdprämie und Ehegattensplitting für die Berufstätigkeit bestraft.
    Betreuungsplätze brauchen nicht kostenlos sein, aber sie müssen in einem angemessen Verhältnis zum Einkommen (der Frau) stehen, um wirkliche Wahlfreiheit zu erlauben.

    *Grrrh!* Ich bin so wütend!

    Maria





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    1. Wieso sollten die Betreuungskosten nur vom Gehalt der Mutter berechnet bzw bezahlt werden. Was ist mit den Vätern? Oder haben die keinen Job und Einkommen? In welchem Jahrhundert findet diese Diskussion statt?

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  6. Das Video ist gruselig, es sollte P18 sein (wegen Vermeidung von Nachahmung). Ich schmeisse den Kindern jetzt nur noch Pferdedecken über, in ihren gekachelten Kinderzellen, äh... -zimmern.

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  7. Liebe Juramama, danke für die ausführliche Erklärung. Ich bin selbständig und da ist das (auch bisherige) Elterngeld-regelung ein Graus…
    Mir leuchtet auch dieses neue Elterngeld PLUS nicht ein und ich verstehe das nicht, wozu das Sinn machen soll….mehr arbeiten (zeitlich) um vielleicht ETWAS mehr Geld zu bekommen was aber dann auf die Betreuung draufgeht?! Na toll…
    LG, Julia

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  8. Hallo Jufamama,
    ja ich bin einer dieser Papas die echt 12 Monate (zusammen mit meiner Partnerin) beim Kind bleiben will und wird.
    Danke erstmal für die super Erklärungen.
    Hast du, oder jemand sonst hier, Erfahrung mit der Anrechnung von Elterngeld Plus beim Wohngeldantrag?
    Bisher war der Plan Basiselterngeldbezug durch mich (1800 Euro) für 12 Monate und meine Partnerin für die 2 Partnermonate. Und nach einem Jahr wollen wir beide wieder in Teilzeit (je 20 Stunden) gehen.
    Wohngeld gibts da laut Rechner keines.
    Wenn wir jetzt Eltergeld Plus machen und in den ersten 12 Monaten keinen Zuverdienst haben, also nur 900 Euro bekommen. Wird dann auch nur 900 Euro beim Wohngeld angerechnet (bzw. vielleicht nur 600 Euro, da glaube ich 300 Euro Elterngeld anrechnungsfrei sind)? Und dann würden wir Wohngeld bekommen!
    Sprich 1-12 Monat 900 Euro Elterngeld Plus + Wohngeld
    13-24 Monat 900 Euro Elterngeld Plus + Teilzeitzuverdienst
    Ich habs schon im mächtigen Internet versucht, aber keine Antwort gefunden ob das so geht. :)

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    1. Hallo Istvan,
      ich finde es sehr spannend, auf eine weitere Familie zu treffen, in der der Vater ein volles Jahr zuhause bleiben wird.
      Da wir Zwillinge erwarten, planen mein Mann und ich, es ebenfalls so zu machen. Allerdings ist es bei ihm mehr als fraglich, ob er hinterher wieder problemlos in seinem alten Job arbeiten kann, geschweige denn in Teilzeit. Da sind wir gerade dran, die Rechtslage zu sondieren - und es ist krass, wie wenig Informationen wir finden, weil es eben so "ungewöhnlich" ist.
      So weit ich weiß, darf man für Wohngeld gar kein eigenes Erspartes haben, oder? Und werden dir nicht im zweiten Jahr Abzüge gemacht, wenn du wieder Teilzeit arbeitest?

      Das ist alles richtig arg kompliziert...

      Ich würde mich über einen Austausch mit euch freuen (einemailansabrina@gmail.com), auch wenn wir noch relativ am Anfang stehen und uns noch durchwursteln müssen :-)

      Lieben Gruß,
      Sabrina

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  9. 1.) "28 Monate EltergeldPlus erhält nur die Mutter, die am Tag nach der Geburt ihre Berufstätigkeit mit maximal 30 Wochenstunden weiterführt und das 24 Monate durchhält." --> Das stimmt nicht! Elterngeld Plus kann auch genommen werden, wenn man nicht arbeitet. Man kann also auch splitten wie bisher.
    2.) Die Eltern könnten auch im ersten Lebensjahr beide in Teilzeit gehen (Minimum sind 15 Stunden/Woche) und so zusammen innerhalb des ersten Lebensjahres die 24 Monate Elterngeld Plus aufbrauchen. Wenn man sich mit Arbeit und Betreuung abwechselt, braucht man keine außerhäusige Betreuung für Unter-Einjährige. Ich denke, genau für solche Konstellationen (beide reduzieren ihre Arbeitszeit im 1. Lebensjahr, im 2. Lebensjahr geht das Kind dann in die Krippe) ist das Modell perfekt. Komischerweise wird das im Artikel gar nicht erwähnt, da kommen Väter ja nur als 2-Monats-Papas vor. Ich glaube, dass ein Wandel in diese Richtung (beide arbeiten vorübergehend Teilzeit, nicht einer voll und einer gar nicht) eingeleitet werden soll und hoffentlich auch stattinden wird.

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    1. Ja, das stimmt, das geht auch. Die 24 Monate plus je 4 partnernonate können "verbraucht" werden, wenn Mutter und Vater beide nach gleich nach der Geburt keine Pause einlegen sondern beide mit mehr als 15 h pro Woche weiterarbeiten. Wenn beide einen Job haben, in dem sowas überhaupt möglich ist und sich das eine kleine Familie auch finanziell leisten kann auf ein Vollzeitgehalt zu verzichten, dann ist das ein Modell das geht. Ob das eines ist, von dem ich persönlich (!)emotional finde, dass es "hoffentlich" stattfinden wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber du hast absolut Recht, das Modell habe ich nicht aufgeführt, schlicht weil ich niemanden kenne, der es in realiter hätte umsetzen können. Aber das hängt vielleicht auch von meinem persönlichen Dunstkreis ab! Danke dass du es erwähnt hast!

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    2. Hallo, ich bin zufällig wegen des Streikthemas wieder hier vorbeigekommen und habe gesehen, dass du mir geantwortet hast ... :-)
      Mein Mann und ich haben das so gemacht: Er hat für ein Jahr auf 20 Wochenstunden reduziert. Ich habe nach dem Mutterschutz mit 15 Stunden/Woche (3 Nachmittage) gearbeitet. Dafür bekamen wir 1/2 Gehalt von ihm + reduziertes Elterngeld für ihn + 1/2 Gehalt von mir. Wir mussten also nicht auf 1 Vollzeitgehalt verzichten. Mit Elterngeld Plus hätten wir beide jeweils 1/2 Gehalt + halbiertes Elterngeld (= Elterngeld-Plus-Monate) gehabt. Einige Arbeitskollegen haben mich schon auf mein Modell angesprochen, ein Kollege ist gerade dabei, es für sich und seine Frau (beide in derselben Firma beschäftigt) ebenso zu lösen. Er arbeitet vormittags in Teilzeit und am Nachmittag, wenn er wieder zuhause ist, arbeitet sie ein bisschen für die Firma. So bleiben beide drin und haben beide noch Zeit für die Familie.

      Unter "Fakt 5" hast du ja selber geschrieben: "Wenn der Vater also in der glücklichen Lage ist, seine Vollzeitstelle auf 25-30 Wochenstunden zu reduzieren und auf Einkommen verzichten kann und die Mutter aber gleichzeitig in Teilzeit arbeitet, weil eine Familie eben doch nicht auf Einkommen verzichten kann, dann bekommen beide 4 Partnerschaftsmonate dazu, wie oben bereits erklärt." --> Warum sollte das nicht schon früher möglich sein als erst nach 12 Monaten? Bis jetzt hat sich das finanziell nicht gelohnt, aber mit dem neuen Elterngeld Plus sieht das anders aus. Ich denke, dass es tatsächlich ein Zukunfts-Modell ist: Beide arbeiten Teilzeit und beide haben Zeit für die Kinder.

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    3. Gibt dann bloß ein Problem mit dem Stillen...

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  10. Hallo, ich glaube, in Rheinland-Pfalz ist schon für Zweijährige die Betreuung in der Kita kostenlos. In der Krippe allerdings nicht.

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    1. JUHUU ab nach Rheinland-Pfalz! Danke für den Hinweis, das ist doch mal eine gute Länderpolitik!

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  11. Wir hier in Hamburg kommen seit August 2014 auch in den Genuss kostenloser 5-Stundenbetreuung ab einem Jahr!!

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  12. Schöner Artikel. Hier in NRW zahlt man nur die Betreuung für ein Kind. Hat man mehr als ein Kind in Krippe, Kiga oder bei der Tagesmutter, sind die Geschwisterkinder frei. Das ist doch schon mal ein Ansatz.

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  13. Moin,
    wenn ich mich nicht täusche gibt es wohl noch eine wirkliche Verbesserung gegenüber dem Elterngeld von vor 2015, und zwar beim 2. Kind.
    Für die Berechnung des Elterngeldes wird das Einkommen der letzten 12 Monate berücksichtigt Monate mit Elterngeldbezug jedoch ausgenommen und mit Monaten vor der Geburt aufgefüllt.
    Beim alten Elterngeld war der Bezugszeitraum 12 Monate welche auf 24 Monate ausgezahlt werden konnten.
    Wenn ich die neue Regelung richtig gelesen habe ist beim Elterngeld Plus der Bezugszeitraum auf 24 bis 28 Monate ausgeweitet worden.
    Und somit erhält man für das 2. Kind falls es 24/28 Monate nach dem 1. kommt volles Elterngeld und nicht nur 300€ Mindestsatz.
    Immer noch zu wenig aber ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Richtung.
    Ingo

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  14. Hallo zusammen,

    ich bin einer dieser "Väter" der "nur" die zwei Partnermonate genommen (klassisches Elterngeld) und sehr genossen hat.
    Ich denke die Verteilung wird sich auch nicht ändern in Zukunft (man könnte sie auch Vatermonate nennen), genauso wenig wie die Verteilung Vollzeit - Teilzeit, solange die Gehaltsdifferenz Mann - Frau (bzw. ist es eine Differenz klassische Männerberufe - klassische Frauenberufe) nicht grundlegend überarbeitet wird. Ich bin Systemadministrator, meine Lebensgefährtin Heilerziehungspflegerin. Verhältnis Bruttoeinkommen ca. 2:1. Wir könnten schlicht die Miete nicht mehr bezahlen, wenn ich nach der Geburt zu Hause geblieben wäre. Auch so ist es mit nur einem Einkommen schwierig. Dazu war das Elterngeld nach 12 Monaten rum, Tagesmütter und Kitas/KiGas nehmen aber nur zum Schuljahreswechsel auf. D.h. 4 Monate nur Betreuungsgeld von 150 €. Ab September geht Sie dann (hoffentlich) wieder halbtags arbeiten, leider an 5 Tagen die Woche, alsob brauchen wir mindestens eine 30h-Tagesmutterbetreuung, macht ca. 130 € + 40 € Verpflegungsgeld. Bleibt dann von der Teilzeitstelle noch ein kleiner Anteil für die Miete, dafür, sein eineinhalbjähriges Kind jeden Wochentag abzugeben.
    Ich würde auch gerne Teilzeit machen, aber wie gesagt, bei der aktuellen Lohnverteilung nicht drin.

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  15. Hallo, hier mal die Kosten aus unsere Dunstkreis: http://www.aachen.de/de/stadt_buerger/politik_verwaltung/stadtrecht/pdfs_stadtrecht/513.pdf
    Ich habe noch das alte Elterngeld bekommen. Habe mich vor einem Jahr voller Tatendrang bei der Kita meiner Wahl vorgestellt (schick mit Blüschen und rausgeputzem Neugeborenen) und das Bewerbungsformular ausgefüllt. Wäre ja perfekt gewesen, das Kind mit 1 Jahr in die Kita zu bringen (kleinstes Stundenpaket) und dann in ETZ wieder zu arbeiten. Leider habe ich die 2. Spalte (Kinder u2) erst später gesehen und peinlich berührt die Anmeldung um ein Jahr verschoben. Na ja, den Kita Platz brauche ich ja nun auch noch nicht, mit der ETZ hats ja auch nicht geklappt. Mein Plan hat ja super funktioniert...

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  16. Elterngeld ist besser als nichts, aber nicht unbedingt viel besser. Problematisch wird es, wenn die Frau der Hauptverdiener in der Familie ist und sie dann das erste Jahr zuhause bleibt. Egal, wie man es rechnet, der "Verlust" an Einkommen ist einfach zu gravierend. Wenn pro Monat einfach mal 700-800 Euro fehlen, sind das dann genau die Kröten, die man eigentlich zum Leben braucht, die gewährten 65% gehen für die Fixkosten wie Miete, Strom, Telefon, Versicherungen drauf. Und wenn man dann mal mit dem ganz spitzen Bleistift rechnet, ist man nur noch wenige Cent über dem Hartz-IV-Satz. In meinem Umfeld habe ich es auch mehrfach erlebt, dass der Vater auf seine Elternmonate verzichtet hat, weil die finanziellen Einbußen schlicht zu dramatisch für die Familie sind, selbst wenn es nur 2 Monate sind - und das zu Zeiten, wo das Kindlein noch nicht mal fremdbetreut werden musste.

    Zum Elterngeld allgemein: ich ging bislang davon aus, dass das (Basis-)Elterngeld eh nur 10(+2) Monate gezahlt wird, weil die 2 Monate nach der Geburt Mutterschaftsgeld in voller Höhe des letzten Gehalts gezahlt wird. Hat sich da was geändert?

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    1. Daran hat sich nichts geändert, deswegen wird es auch schwierig, die 28 Monate ElterngeldPlus zu erreichen und ich störe mich an der Propagierung dieser 28 Monate. Die 8 Wochen Mutterschutz fallen nur bei selbstständigen Frauen nicht an.
      Das EG wird immer ab der Geburt gezahlt, auf dem Papier. Auf dem Konto hat es aber nur derjenige gleich ab der Geburt, der kein Mutterschaftsgeld vom AG und der Krankenkasse bekommt oder weniger, als der errechnete Elterngeldsatz (das kann in bestimmten Konstellationen mal passieren). Du hast also Recht: Das EG wird bei den meisten faktisch nur 10 Monate ausgezahlt. Danke für Dein Feedback!

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  17. Das ist de facto keine Familienpolitik - das ist reine Wirtschaftspolitik. Denn alles zusammen genommen sagt genau nur eins aus: Eltern sollen zu allererst immer Teil der Wirtschaft bleiben. Familie ordnet sich irgendwo hinten an. Kinder bekommt man am besten gar nicht mehr - oder nur, in dem man den Staat bereits von vornherein ausschließt. Mich macht dieses ganze Gerechne nur noch krank. Und das Schlimmste ist, dass es nach wie vor genügend Eltern gibt, die sich innerhalb des Systems tot rackern (müssen) - so lange bleibt es auch erhalten. Wahrscheinlich bis 2030, wo ja dann eh nur noch die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen arbeiten gehen kann. Dann braucht man wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch kein Elterngeld mehr. Denn diese sogenannten Familien werden nicht mehr als dieses eine Kind, was in die Rechnung gequetscht wird, bekommen können - wann auch?

    Wieder großartig geschrieben!

    Liebe Grüße,
    Carolin

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  18. bei uns wäre das elterngeldplus perfekt gewesen, aber das kind ist leider ein paar monate vor dem stichtag geboren.

    die frage, die sich mir allerdings wieder mal stellt: wieviele eltern, die vielleicht keine juristischen kenntnisse besitzen oder zumindest sonstwie formulargestählt sind, blicken bei solchen regelungen überhaupt durch?

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  19. Hallo,

    also ich und mein Freund plagen uns aktuell mit der Entscheidung, ob wir nun nach über 12 Jahren Beziehung, doch noch Nachwuchs bekommen sollen oder nicht. Da ich mittlerweile 35 bin, ist es leider auch nicht so, dass ich noch ewig Zeit für eine solche Entscheidung hätte.
    Je näher wir an eine positive Entscheidung herankommen, um so mehr Angst bekomme ich.
    Mein Freund und ich verdienen fast ähnlich, also ist es egal, wer von uns beiden Elternzeit nimmt. Das Basiselterngeld ist nicht schlecht, immerhin bekommt man ein Jahr lang zumindest annäherend einen finanziellen Ausgleich für den Wegfall des Gehalts. Aber was ist schon ein Jahr? Ein Kind ist nach einem Jahr, ja schließlich immer noch ein Baby! Da es kaum Kita-Plätze für Babys gibt, ist man ja auch nicht wirklich in der Lage nach einem Jahr sein Kind ganztagsbetreut unterzubringen.
    Nach einem Jahr muss ich aber definitiv wieder arbeiten gehen, da mein Freund die finanzielle Belastung nicht alleine tragen kann. Heute stellt sich nicht mehr die Frage wer von beiden Partnern wie lange zu Hause bleiben "möchte" um sein Kind aufwachsen zu sehen, sondern wie lange man sich die finanzielle Belastung überhaupt leisten kann!
    Was macht ElterngeldPlus für einen Sinn? Meines Wissens konnte man auch das Basiselterngeld auf 2 Jahre splitten. Nur dass man mit Basiselterngeld nicht zusätzlich auch noch arbeiten gehen muss!
    Wirklich Sinn hätte es nur gemacht, ein Jahr lang Basiselterngeld zu bekommen und ab dem 2. Jahr ElterngeldPlus als Aufstockung zum reduzierten Teilzeitgehalt.
    So hätte man die Kinderbetreuung finanzieren können, ohne das man finanzielle Einbusen hat, schließlich arbeitet man dann nur noch für die Unkosten, die ein Arbeitsplatz mit sich bringt, so wie von einigen Vorrednern schon erwähnt!
    Ich als Frau habe wirklich große Angst davor, die finanzielle Belastung nicht stemmen zu können... Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder einer Dekradierung, weil mein Arbeitgeber keine Verwendung mehr für mich als Teilzeitkraft hat, kommt noch erschwerend hinzu. Habe ich wirklich studiert und mich in meinem Job hochgearbeitet, um dann irgendwann auf einen minderwertigen Arbeitsplatz abgeschoben zu werden oder vielleicht gar nicht mehr in meinem erlernten Beruf arbeiten zu können?
    Solange in Deutschland keine Anreize geschaffen werden Familien zu unterstützen und Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen, wird die Geburtenrate weiterhin sinken!
    Warum funktioniert es in anderen Ländern wie zum Beispiel in Skandinavien, bei uns aber nicht?
    Vielleicht landen solche Foreneinträge auch irgendwann man bei unserer "Familien"-Ministerin, damit sie wirklich mal sehen, was uns Deutsche so umtreibt und entsprechend auf die Sorgen und Ängste abgestimmte Reformpakete entwickeln!
    Aber das bleibt wohl auch nur eine weitere Hoffnung, die nicht erfüllt wird...

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  20. TOP Artikel, endlich hat es mal jemand auf den Punkt gebracht. Der einzige Anreiz ist, als junge dynamische Mutter nicht vollständig aus dem Job gedrängt zu werden. Nach bereits zwei Kindern weis ich nun wie sich solche Auszeiten auswirken. Ein wirklich interessanter Aspekt den du aufgreift ist der mit der Rente. Viele meine Kollegen gehen bereits auf die 40 zu...aber von Kinder keine Spur. Wir zahlen ein und ziehen Groß und was machen die anderen, die nur davon profitieren? Es ist längst überfällig unser Rentensystem zu überarbeiten, aber davon spricht irgendwie keiner.

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  21. Bei uns; Mutter bleibt 12 Monate daheim. Vater konnte bei Kind 1 noch 2 Vatermonate nehmen. Bei Kind zwei wird es nun schwierig da beide 30 Stunden arbeiten. Nun gilt es zu rechnen. Wer muss wie lange arbeiten. Ab wann lohnt sich arbeiten wieder wegen Betreuungskosten (bei uns > 230€ pro Monat). Unser Geld reicht hinten und vorne nicht.
    Elterngeld ist zwar nett, wegen der Höhe aber nur bedingt zu gebrauchen. Hat man kein erspartes zum Ausgleich wird es schwierig mit Kind. Wir haben ca am 20. des Monats kein Geld mehr in der Tasche. Mehr arbeiten geht nicht wegen des mangelnden Betreuungsangebotes. Wir könnten unser Kind noch in eine zweite Kita für einen Tag stecken... aber was soll den Kindern noch alles zugemutet werden?...

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  22. Es gibt Pixi Bücher, die man nicht zerreissen kann... ;-) Aber ansonsten, super Beschreibung, mit genau der Portion Ironie, wie es das Thema braucht. Danke!

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  23. Hallo! Danke für den ganz tollen Artikel! Meine Frau und ich sind gerade in der Planung und die Sache ist ja recht kompliziert, da war ihr Beitrag sehr hilfreich!
    Allerdings ist glaube ich ein Fehler drin: Um den Bonus "abzustauben", müssen beide Elternteile EINMAL IM GESAMTZEITRAUM mind. 4 aufeinanderfolgende Monate land gleichzeitig zw. 25 und 30 Stunden / Woche arbeiten. Dies muss NICHT direkt nach der Geburt erfolgen (siehe auch Beispiele in der pdf, die zum ElterngeldPlus vom BFSFJ heruntergelden werden kann). Es ist selbst dann möglich, den Bonus zu bekommen, wenn beide Elternteile nach der Geburt erst mal daheim bleiben.

    Ganz liebe Grüße und Danke noch mal!

    Tobias

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  24. Der Beitrag ist wirklich klasse geschrieben und kann einem gut die Augen öffnen, wie es um diese Elterngeldpolitik steht. Eine Anmerkung habe ich jedoch noch: der Partnerschaftsbonus, dass beide Elternteile parallel für min. 4 Monate in Teilzeit arbeiten und dadurch einen "Mehrwert" von 2 Monaten 300€ Elterngeld (denn tatsächlich kann man eben nur auf die staatliche Unterstützung von 12 Monate à 300€ kommen, die einem der Staat in diesem Fall "schenkt") bekommt auch gegen das dann ja geringere Einkommen rechnen. De facto heißt es, dass es sich finanziell nur dann wirklich als "Mehrwert" rechnet (gegenüber dem Basiselterngeld), wenn die Differenz <300€ beträgt. Anders wäre zumindest ein finanzieller Anreiz, wie es ja die Politik erreichen möchte, nicht gegeben.

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  25. Hallo zusammen,
    ich wälze auch seit einiger Zeit Elterngeldratgeber und werde leider beim Elterngeld plus aus einer Sache nicht schlau: Du schreibst hier: „In den Monaten, in denen ihr Basiselterngeld bezieht, erhaltet ihr das volle Elterngeld, in den Monaten, in denen ihr Elterngeld Plus bezieht, erhaltet ihr das halbe Elterngeld.“ So oder so ähnlich liest man das auch immer in den Werbebroschüren für Elterngeld plus. Leider gilt das nicht für Gutverdiener.
    Hier ein Beispiel: Angenommen, ich habe vor der Geburt ein Nettoeinkommen von 4.000€. Wenn ich mich dafür entscheide, ganz auszusteigen und Elterngeld beziehe, bekomme ich den Höchstbetrag von 1.800€. Beim Elterngeld plus bekomme ich aber nicht die Hälfte von 1.800€, also 900€, sondern viel weniger bis hin zu nur dem Mindestbetrag des Elterngeld plus (150€/ Monat). Als Bemessungsgrundlage wird nämlich beim Elterngeld plus (wie auch beim Elterngeld) ein Ausgangsgehalt von höchstens 2.770€ veranschlagt. Wenn ich im gegebenen Beispiel 25h arbeite hätte ich in der Elternzeit ein Nettogehalt von 2.500€, die Differenz zum veranschlagten Ausgangsgehalt beträgt dann gerade mal 270€. 65% davon sind 175€. Das bekomme ich dann zwar (maximal) 24 statt 14 Monate, steht aber trotzdem in keinem Verhältnis zu den 1.800€ bei vollem Elterngeld.
    Mein Fazit: Für Gutverdiener ist das Elterngeld plus nicht wirklich relevant/ finanziell unattraktiv. Oder hab ich da irgendwo einen Denkfehler?

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    1. Kein Denkfehler, da hast Du Recht. Je mehr du neben dem hälftigen Elterngeld verdienst, desto eher kommst du in den Bereich, in dem es anteilig gekürzt wird. Das ist vielleicht auch gerade so gewollt...auch wenn ich das nicht gut heiße. Politisch.
      Liebe Grüße!

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  26. Hallöle...
    Ist es richtig,ich kann Elterngeld plus nur beantragen,wenn der erste Geburtstag noch nicht erreicht wurde?
    Eir haben einr eingetragene Lebenoartnerschaft und müssen insgesamt 18Monate ohne viel Einbußen
    schaffen.
    Ich bin die Mama und würde gerne volles Elterngeld beziehen,darf ich dann nur bis zum 10.Lebensmonat dies tun und sie macht den Monat 11+12,dann beziehen Egplus für 4Monate mit Teilzeitbeschäftigung und dann der Partnerschaftsbonus...wäre das machbar?
    Gruss Anja

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