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Andrea Nahes und die Rente - Die jungen Pessimisten

Andrea Nahles sprach:


"Was ich bei jungen Leuten nicht mag, ist dieser Pessimismus. Dieses „Ich krieg ja sowieso nichts raus“. Das stimmt nicht, sag ich dazu. Das hängt ja in erster Linie davon ab, was man einzahlt und wie viele Leute Arbeit haben. Und jetzt kommt die gute Nachricht: In Deutschland gab es noch nie so viel Arbeit wie jetzt. Wir müssen in diesem Land vor keinem ­Problem die Augen verschließen. Wir müssen die Probleme nur lösen." 

ICH REGE MICH AUF! Über Formulierungen und darüber, dass ein Milliardenloch und drohende Altersarmut wie die letzten 60 Jahre nicht,  als "Pessimismus junger Leute" bezeichnet wird.

Wir zahlen nichts "in die Rente ein". Es ist ein Unding diese Formulierung zu benutzen, sie nährt das größte Missverständnis unseres Rentensystems zu unser aller Lasten. Wir machen nur eines: Wir zahlen Beiträge an die heutigen Rentner AUS und hoffen, dass die heutigen Kinder, wenn wir selbst mal alt sind, bitte ebenso verfahren werden. Und können!

Es ist schlicht unwahr und unlauter zu verbreiten, die Rente junger Menschen hinge in erster Linie (!) davon ab, wieviel wir jetzt arbeiten oder gar vom jetzigen Arbeitsmarkt "der noch nie so gut war.". Die Rente der jungen Menschen, um die es in dem Interview geht, hängt nämlich in Wahrheit in erster Linie davon ab, ob in 40 Jahren genug Menschen arbeiten, die dann Renten und Krankenkassen für unsere Hüft-OPs füttern können und die diese Steuern zahlen, von denen die Ministerin spricht. Es geht darum wie deren Arbeitsmarkt dann aussieht.

Erst in zweiter Linie hängt die eigene Rente von den 40 Jahre lang so pflichtschuldig gesammelten Rentenpunkten ab, zu denen die Ministerin rät. Die beknackten Rentenpunkte können wir uns (egal ob wir eigene Kinder haben oder wollen oder eben nicht) aber in die Haare schmieren, wenn in unserem Lebensherbst nicht genug (arbeitende) Menschen da sind, bei denen wir sie einlösen können. Dafür muss politisch in erster Linie gesorgt werden, wenn man die jeweils junge Generation ernst nimmt und sie nicht als motzende Pessimisten verharmlosen.
Zumindest muss man jedenfalls dann für "Auszahler" sorgen, wenn man an dem geltenden Rentensystem, das Frau Nahles im Interview als "sturmerprobt" bezeichnet, weiter festhalten will. Es liegt allerdings an der Reihenfolge. So, wie das System momentan nur Erwerbsarbeit belohnt und Kinder-kriegen finanziell bestraft, geht das doch seit 1957 schief. Diese Kinder (die Arbeit haben) brauchen wir "jungen Pessimisten" nämlich noch mehr, als die heutigen alten Pessimisten mit den miesen Rentenzetteln.

Frau Nahles verkauft in diesem Interview Backstagepässe für eine Band, die erst gegründet werden muss und investiert das Geld in weitere Backstagepass-Verkaufstellen, statt in Talentscouting. 
Den miesen Deal würde keiner von uns mitmachen. Das aktuelle Rentensystem zwingt uns aber dazu.

Die derzeitige Arbeitsministerin macht in diesem Interview Politik für die jetzigen Rentenkassen der jetzigen älteren Wähler und nicht für die zukünftigen, und ignoriert, dass in diesem System nur die Familien das System weitertragen. Und ganz viel Beruf und ganz viele Kinder geht nicht! Das dürfte sich seit 1957 bei allen rumgesprochen haben. Adenauer hatte Unrecht.

Wenn man in diesem System aber möglichst umfangreich erwerbstätig sein muss für immer wertloser werdende Rentenpunkte bei gleichzeitig steigenden Abzügen vom eigenen Lohnzettel, statt im ersten Schritt die Leute zu produzieren, bei denen wir diese Punkte einmal einlösen können, tja, dann haben wir uns alle für dumm verkaufen lassen. Her mit dem Backstage-Pass!

SCHNAAAAAPS!

"Wir müssen Probleme nur lösen"? 
Ja! Bitte tut das! Aber dann kann man doch nicht einen 60 Jahre alten Denkfehler als "Pessimismus junger Leute" veräppeln und behaupten, viel Arbeit führe in erster Linie zu einer hohen eigenen Rente? Arbeit führt in erster Linie zu einer Rente für die heutigen Rentner, denn die haben uns dankenswerterweise in die Welt gesetzt. Was ist denn mit meiner Rente, wenn alle "in erster Linie" etwas anderes tun soll(t)en? 

Soziale Politik und Recht sind Themen, die junge Leute ebenfalls betreffen. Und wenn sie aufmucken oder kritisch nachfragen, dann sind sie nicht pessimistisch, sondern realistisch. Wie sollen junge Wähler das einsortieren? 

Wer mehr darüber lesen möchte und meinen Lösungsvorschlag für eine Familien-Steuerreform und eine Reform des Wahlrechts mit mir gedanklich diskutieren will, blättere in meinem druckfrischen Buch zum vorletzten Kapitel, welches heißt: 
"Ene Mene Muh und raus bist...Du."

 

Und finde sich dann auf meiner Terrasse zu einem Beruhigungsfencheltee (mit Schuss) ein. Ich warte da.

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